nachhaltiges Bauen
Kesselbrink
Fassadenbegrünung
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Grüner WürfelPavillon auf dem Kesselbrink

Der „Grüne Würfel“ in Bielefelds Zentrum besteht aus einer ganzjährig lebendigen Fassade. 12.000 Efeupflanzen bilden eine zweite Haut – und prägen das Erscheinungsbild des Gastronomie-Gebäudes.

Versorgung und Wartung

Das Efeu wächst in vier übereinander angebrachten und wärmegedämmten Pflanzenrinnen. Als Gerüst für die Kletterpflanzen dient ein Rankgitter; die Rinnen sind an einer vom Gebäude abgerückten Stahlkonstruktion befestigt.

Zwischen Glasfassade und grüner Schicht entsteht ein Laubengang von ein bis drei Metern – er ermöglicht Wartungsarbeiten und das regelmäßige Schneiden der Pflanzen und dient außerdem als Rettungsweg.

Die Versorgung der Pflanzen findet über eine computergesteuerte, vollautomatische Bewässerungs-Anlage statt: Eine Wetterstation auf dem Dach wertet Daten über Feuchtigkeitssensoren in den Rinnen aus – und steuert Bewässerung sowie Düngung. Lieferant und Landschaftsgärtner werden mittels Fernwartungszugang über mögliche Störungen informiert.

Aufenthaltsqualität und Mikroklima

Während die Efeupflanzen einen identitätsstiftenden Nutzen haben, dienen sie auch der Aufenthaltsqualität im und um das Gebäude: Im Sommer dient das Blattwerk als natürliche Verschattung der großen Glasflächen. Das Efeu wirkt als selbst-reinigender, windunempfindlicher Sonnenschutz. Außerdem dienen die Blätter zur Kühlung der Fassade: Um CO2 zu binden und Sauerstoff zu produzieren, bauen die Pflanzen Wärme ab. Dies geschieht durch eine permanente Verdunstung von Wasser über die Blattflächen und führt zu einer Erhöhung der Luftfeuchte.

Die Blattoberfläche der 4.5000 Quadratmeter messenden Efeu-Fassade wirkt als Filter, der Staub und Feinstaub absorbiert. Die eingefangenen Nano-Partikel werden mit Regen abgewaschen oder beim herbstlichen Laubfall samt Blättern kompostiert. Das Efeu bindet außerdem Kohlendioxyd und produziert jährlich zirka 750 Kilogramm Sauerstoff.

Da sich der Bau an einem verkehrsintensiven Stadt-Platz befindet, soll die Fassade als psychologische und messbare Schallpegelminderung dienen. In Zahlen: Die 400 Quadratmeter große Bewuchsfläche wird im ausgewachsenen Stadium als Schallabsorptionsfläche vor den schallharten Oberflächen des Kerngebäudes wirken. Die Efeuhecken dienen außerdem als Unterschlupf und Nahrungsquelle für Insekten und Vögel. Dadurch wird die Artenvielfalt an dem Standort aktiv und quantifizierbar erhöht und zusätzlicher Lebensraum geschaffen.

Gestaltung Innen und Außen

Zwischen den Efeupflazen werden einige Elemente des Baus gestalterisch hervorgehoben: So schieben sich markante Elemente aus der grünen Fassadenebene heraus: der Haupteingang im Süden, ein Balkon im Osten sowie ein Erker im Norden. Dieses gestalterische Element verleiht dem Bau Tiefe – hat aber auch pragmatische Gründe wie Sonnen- und Regenschutz und dient als Markierung des Eingangs.

Zentrales Gestaltungsmerkmal im Innern ist ein Luftraum, welcher sich über alle drei Ebenen des Baus erstreckt. So entstehen Sichtbeziehungen und Orientierung. Die gastronomische Nutzung erstreckt sich über das Erd- und Obergeschoss sowie eine Dachterrasse, die zu speziellen Anlässen genutzt werden kann.

Da das Erdgeschoss für eine kürzere Verweildauer der Gäste ausgelegt ist, weist diese Ebene einen Bistro-Charakter auf. Der Boden ist einer intensiven Nutzung ausgesetzt und daher mit Feinsteinzeug belegt – im Obergeschoss entsteht durch einen Boden aus Eichendielen ein gemütlicher Restaurant-Charakter. Hier besteht die Möglichkeit, zwei unterschiedlich große Bereiche für Veranstaltungen abzutrennen.

Eine zentrale Aufgabenstellung war die barrierefreie Nutzbarkeit der öffentlich zugänglichen Versammlungsstätte. Sichergestellt ist dies über elektrische Drehtüren in den Zugängen, Indikatoren, Leitfliesen und Aufmerksamkeitsfelder in den Bodenbelägen, Rollstuhlfahrer-gerechtes WC und einen Aufzug.

Neugestaltung von Bielefelds Kesselbrink

Zur Neugestaltung des sogenannten Kesselbrinks wurde bereits im Juli 2010 ein freiraumplanerischer Wettbewerb ausgelobt. Berliner Landschaftsarchitekten setzten ihren Entwurf um: Es entstand ein geometrischer Park, Baumreihen, ein Rasenplateau und eine gepflasterten Mehrzweckfläche.

Außerdem vorgesehen war ein Gastronomie-Kubus; hierfür standen allerdings keine öffentlichen Mittel zur Verfügung. Auf Wunsch der Stadt Bielefeld hat sich die BGW als Investor an diesem Standort betätigt und einen eigenen Entwurf für den Pavillon realisiert.

Verfasserdaten

Bauherr: BGW Bielefeld www.bgw-bielefeld.de

Gebäude
Nutzung: Gewerbe / Gastronomie
Gebäudetyp: Versammlungsstätte

Konstruktion
Monolithisches Massives Mauerwerk Hochlochziegel
Pfosten Riegelkonstruktion in Aluminium
Stahlbetondecken

Ablauf
Planungsphase: Juli 2011 - Dezember 2013
Bauzeit: Januar 2014 - September 2014

Fläche
Projektgröße Brutto-Grundfläche (BGF): 966 qm

Planungsbeteiligte
Tragwerksplanung, Wärmeschutz & Bauphysik, Brandschutz:
Ingenieurgesellschaft Laskowski mbH -Büro für Bauwesen

ELT & HLS: Ing.-Büro Martin Deymer GmbH
Fassadenbegrünung/ Konzeption und Ausführung: Helix Pflanzensysteme GmbH

Fotos: Andreas Secci www.andreas-secci.de

Veröffentlichungen: Green, Greener, Greenest: Façades, Roofs, Indoors / Braun Verlag 2017