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Bambus MarkthalleEine Unterüberschrift zum Titel

Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Programm zur ländlichen Entwicklung PRODER unterstützt die Provinz Sofala im Bereich des Agrarsektors. Zu den Projekten gehört auch der Bau von Häusern für die Landwirtschaftsberater des Landes. In diesem Zuge entstand der Bau einer repräsentativen Markthalle zur Reaktivierung des Landhandels in der Provinz. Als Konstruktionsmaterial wurde der lokale Baustoff Bambus verwendet.

Die Idee für das Projekt entstand während einer Hospitation, initiiert von 13 Studenten der Fachhochschule Lippe-Höxter in Detmold. Es handelte sich um eine interdisziplinäre Gruppe der Fachgebiete Architektur, Innenarchitektur und Bauingenieurswesen, begleitet von zwei Professoren der Hochschule.

Der Standort

Das Grundstück im Dorf Pungue wurde 2004 bei einer Dorfversammlung mit den lokalen Entscheidungsträgern und der DPADR (Direcção Provincial de Agricultúra e Desenvolvimento) ausgewählt. Es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Nationalpark Gorongosa – ein öffentlichkeitswirksamer Standort mit wachsendem Tourismus. Da das Dorf an der Nationalstraße EN1 liegt, entstand hier eine Haltestelle, an der Erfrischungsgetränke und lokale Agrarprodukte verkauft werden.

Die 360 Quadratmeter große und überdachte Markthalle dient den lokalen Farmern und Bauern dazu, ihre Produkte vor der Witterung geschützt zum Verkauf anzubieten. Idee war es, vor allem Kleinbauernfamilien aus den entlegenen Gemeinden einen Verkaufsraum zu bieten, welche bisher ausschließlich Subsistenzwirtschaft betrieben haben.

Lokale Bauweise mit Bambus

Neben der Stärkung der landwirtschaftlichen Infrastruktur sollte das Image des lokalen Baumaterials Bambus aufgebessert werden. Daher lag der Fokus bei einer ansprechenden Architektur in Kombination mit einer innovativen und dauerhaften Konstruktion. Die Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern.

Der Baustoff hat sehr gute Materialeigenschaften, der Aufbau des Bambushalmes entspricht einem hochmodernen Hightech-Werkstoff: Er ist stabil und dank seiner Hohlräume leicht und elastisch.
Einziger Nachteil: Um aus Bambus langlebige Konstruktionen realisieren zu können, muss das Material gegen Insekten und Termiten geschützt werden.

Auf dem Gebiet der Protektion und technischen Verwendung von Bambus ist Prof. Dr. Walter Liese vom holzbiologischen Institut der Universität Hamburg Experte, welcher als Berater des Projekts zur Verfügung stand. Bei der Markthalle wurde daher die sogenannte „Boucherie-Methode“ angewandt: Dem Bambushalm wird im Saftverdrängungsverfahren eigene Stärke- und Zuckersaft entzogen und gegen eine 10-prozentige boraxhaltige Salzlösung ersetzt. Dieses Low-Tech-Verfahren ist in ländlichen Regionen mit einfachen Mitteln anwendbar und wird in Ländern wie Süd-Amerika und Asien schon lange praktiziert; insofern handelte es sich um einen Süd-Süd-Wissenstransfer.

Projektverlauf

Das Projekt entstand in zwei Phasen. In der ersten wurden etwa 250 Bambus-Halme geerntet, dem Protektionsverfahren unterzogen und eingelagert. In der zweiten Phase wurde der Bau errichtet. Sieben Fischbauchträger überspannen mit einer Tragweite von 12 Metern insgesamt 360 Quadratmeter Fläche.

Zum Projekt gehörte auch die Bereitstellung von Strom und Wasser. Um nicht mehr auf das hygienisch bedenkliche Flußwasser angewiesen zu sein, wurde ein Brunnen zur Trinkwasserversorgung gebaut. Für die autarke Stromversorgung des Marktbetriebes wurde eine Photovoltaik-Anlage im Inselbetrieb auf dem Dach der Halle installiert.

Prototyp

Zum „Tag der offenen Tür“ an der Fachhochschule Lippe und Höxter wurde vorab ein Bambus-Workshop durchgeführt, bei dem Vorarbeiten zur Errichtung eines Prototypen für die geplante Markthalle geleistet wurden. So konnten die eingesetzten Verbindungstechniken getestet und weiter entwickelt werden.

Nach einer temporären Nutzung als Festzelt in Detmold zog der Pavillon nach Bielefeld. Mit der Positionierung an einem exponierten Standort soll das Projekt der Entwicklungszusammenarbeit einen öffentlichen Dialog anregen. Beide Gebäude, der Pavillon in Bielefeld und die Markthalle in Mosambik, setzen ein Zeichen für die Verwendung nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energien. Das Projekt bildet eine
Brücke zwischen Nord und Süd.

Verfasserdaten

Bauherr: Provinzdirektion Sofala/ Mosambik
Gebäudeeigentümer: Provinzdirektion Sofala/ Mosambik

Gebäude
Konstruktion: Bambus

Ablauf
Planungsphase: 2004 - 2006
Bauzeit: 2006- 2007

Fläche
Projektgröße Brutto-Grundfläche (BGF): ca. 500 qm

Planungsbeteiligte
Tragwerksplanung: Prof. Gunnar Möller